Eine Zusammenfassung der Kernbegriffe
(übersetzt aus dem Englischen von Edith Zurcher.)
Transaktions-Analyse ist
- eine einfach zu verstehende und doch hochentwickelte
psychologische Theorie über das Denken, Fühlen und Verhalten von
Menschen und
- ein zeitgemässes und wirkungsvolles System der
Psychotherapie, Ausbildung, Organisations- und soziokulturellen Analyse sowie
der sozialen Psychiatrie.
Transaktions-Analyse verwendet Informationen über die
Art wie Menschen sich aus jedem von drei Ich-Zuständen gegenseitig
beeinflussen - oder miteinander umgehen: Das Eltern-Ich, das Erwachsenen-Ich
und das Kind-Ich. Aus der Analyse dieser gegenseitigen Beeinflussung
(Transaktionen) können Transaktionsanalytiker mit Hilfe von
therapeutischen Verträgen Menschen dazu bringen, zerstörerische und
unfruchtbare Muster des täglichen Lebens, sogenannte Spiele, zu
korrigieren, was ihnen wiederum hilft, tiefsitzende, einschränkende und
schädliche, lang angeeignete Verhaltensweisen, sogenannte Skripts
(Lebenspläne), aufzugeben.
Die Transaktionsanalytiker sind ausgebildet zu erkennen, aus
welchen Ich-Zuständen Menschen miteinander verkehren sowie die
aufeinanderfolgenden Transaktionen in die sich Menschen begeben, wenn sie
miteinander in Beziehung treten, im Detail zu verfolgen. Mit dieser Ausbildung
können sie wirkungsvoll eingreifen, um die Ehrlichkeit und die
Qualität der Kommunikation und des miteinander Verkehrens zu verbessern,
was wiederum bleibende persönliche Aenderungen erleichtert.
Nachfolgend ist eine Darstellung, welche die Kernbegriffe
der Transaktions-Analyse umschreibt und sie zusammenbindet. Die Kernbegriffe
sind in Fettdruck und ein Register der Kernbegriffe ist als Anhang
beigefügt.
ICH-ZUSTAENDE UND TRANSAKTIONEN. Wenn Menschen
miteinander in Beziehung treten, so werden Transaktionen ausgetauscht. Jede
einzelne Transaktion besteht aus zwei Teilen: dem Stimulus (Reiz) und der
Reaktion. Einzelne Transaktionen sind gewöhnlich nur Teil von mehreren
aufeinanderfolgenden Transaktionen. Einige dieser aufeinanderfolgenden
Transaktionen oder Abfolgen von Transaktionen können direkt, konstruktiv
und gesund oder ausweichend, hinterlistig, leer und ungesund sein.
Wenn Menschen miteinander verkehren, so machen sie das aus
einem der drei verschiedenen Ich-Zuständen. Ein Ich-Zustand ist eine ganz
bestimmte Art von denken, fühlen und sich verhalten und jeder Ich-Zustand
hat seinen Ursprung in einem bestimmten Teil des Hirns. Menschen können
sich aus ihrem Eltern-Ich-Zustand, Kind-Ich-Zustand oder
Erwachsenen-Ich-Zustand verhalten. Zu jeder Zeit kommt unser Verhalten aus
einem dieser drei Ich-Zuständen.
DAS KIND-ICH. Wenn wir uns im Kind-Ich-Zustand
befinden, verhalten wir uns wie das Kind, das wir einmal waren. Wir spielen
nicht nur etwas vor; wir denken, fühlen, sehen, hören und reagieren
wie ein drei, fünf oder acht Jahre altes Kind. Die Ich-Zustände sind
voll erlebte Zustände von Sein und nicht nur gespielte Rollen. Wenn man
hassens- oder liebenswert, impulsiv, spontan oder spielerisch ist, so nennt man
dies das natürliche Kind. Wenn man rücksichtsvoll, kreativ oder
erfinderisch ist, so nennt man dies der kleine Professor. Wenn man sich
ängstlich, schuldig oder beschämt fühlt, so nennt man dies das
angepasste Kind. Das Kind-Ich hat alle Gefühle: Angst, Liebe, Aerger,
Freude, Traurigkeit, Scham und so weiter. Dem Kind-Ich wird oft die Schuld
dafür gegeben, dass dieses der Grund für die Sorgen der Menschen ist,
weil man egoistisch, emotional, machtvoll ist und man sich gegen die
Unterdrückung, die mit dem Aufwachsen kommt, widersetzt.
In der Transaktions-Analyse (TA) wird das Kind-Ich als
Quelle der Kreativität, Neuschaffung und Zeugung gesehen; die einzige
Quelle von Erneuerung im Leben. Das Kind-Ich kann bei Kindern für eine
ausgedehnte Zeitspanne beobachtet werden aber auch bei Erwachsenen, die sich in
einer Situation befinden, welche es ihnen erlaubt, ihr Kind herauszukehren wie
zum Beispiel bei Sportanlässen oder Festen. Das Kind-Ich wird für
kurze Zeit auch in anderen Situationen erscheinen so bei
Verwaltungsratssitzungen, im Schulzimmern oder in anderen ernsthaften
Diskussionen, wo es ganz und gar nicht erwünscht wäre. In seiner
höchst unerwünschten Form, beherrscht dieser Zustand gänzlich
das Leben einer Person, so im Falle von Menschen, die stark emotional
gestört sind. Das Kind-Ich, das sich verwirrt, deprimiert, verrückt
und abhängig zeigt, wird diese Menschen zur eigentlichen
Selbstzerstörung mit einem sich ausser Kontrolle befindenden Verhalten
treiben. Das Kind-Ich kann sich auch über längere Zeit in Form von
Depressionen oder Trauer äussern, wie im Fall von Menschen, die einen
schweren Verlust erlitten haben.
DAS ELTERN-ICH. Das Eltern-Ich ist wie ein
Tonband-Aufnahmegerät. Es ist eine Sammlung von aufgezeichneten,
vorbeurteilten und voreingenommenen Lebensgesetze. Wenn ein Mensch sich im
Eltern-Ich-Zustand befindet, so denkt, fühlt und verhält er sich wie
einer von seinen wirklichen Eltern oder wie jemand, der diesen Platz
eingenommen hat. Das Eltern-Ich entscheidet ohne zu überlegen, wie in
Situationen zu reagieren, was gut oder schlecht ist und wie Menschen leben
sollten. Das Eltern-Ich urteilt für oder gegen etwas und kann
kontrollierend oder unterstützend sein. Wenn man im Eltern-Ich kritisch
ist, so nennt man dies das kritische Eltern-Ich. Wenn man aber
unterstützend ist, so nennt man dies das fürsorgliche Eltern-Ich.
Ein Ich-Zustand kann einen Menschen bis zum Ausschluss der
anderen zwei Ich-Zuständen beherrschen. Ein Beispiel für das ist das
ausschliesslich fürsorgliche oder kritische Eltern-Ich, was vorkommt, wenn
ein Mensch unfähig ist, sein Kind- oder Erwachsenen-Ich zu gebrauchen.
Dieser Mensch ist einem grossen Nachteil ausgesetzt, weil er alle
Ich-Zustände wenn benötigt zur Verfügung haben muss, um ein gut
funktionierender Mensch zu sein.
Mit einem ausschliesslichen Eltern-Ich als den einzigen
funktionierenden Ich-Zustand muss ein Mensch ohne den Nutzen des Kind- oder
Erwachsenen-Ichs leben und er schneidet sich somit von zwei Drittel seiner
menschlichen Möglichkeiten ab.
Das Eltern-Ich verwendet alte "Tonbänder" um Probleme
zu lösen und ist so gewöhnlich fünfundzwanzig Jahre hinter der
Zeitrechnung (obgleich es auch 250 oder so viel wie 2500 Jahre hinter der
Zeitrechnung sein können). Dies ist nützlich vor allem wenn keine
Informationen im Erwachsenen-Ich verfügbar sind oder wenn keine Zeit
vorhanden ist, um im Erwachsenen-Ich zu denken. Zwar wird das Kind-Ich
neuartige auf Intuition basierende Lösungen hervorbringen, aber diese
Lösungen dürften nicht so verlässlich sein, wie Erwachsenen-Ich
Entscheide, die auf Tatsachen beruhen.
DAS ERWACHSENEN-ICH. Wenn sich jemand im
Erwachsenen-Ich-Zustand befindet, verhält er sich wie ein menschlicher
Computer. Er funktioniert nach Daten, die er sammelt und speichert oder
verwendet, um Entscheidungen nach einem auf Logik beruhenden Programm zu
treffen.
Wenn sich ein Mensch im Erwachsenen-Ich-Zustand befindet,
braucht er logisches Denken, um Probleme zu lösen und stellt sicher, dass
Kind-Ich- oder Eltern-Ich-Emotionen den Prozess nicht beeinträchtigen.
Menschen könnten daraus schliessen, dass Emotionen nicht gut sind. Dies
heisst aber lediglich, die Fähigkeit zu haben, uns von unseren Emotionen
zu trennen, um rational und logisch sein zu können. Es heisst
überhaupt nicht, dass immer rational und logisch zu sein das Beste ist. Im
Gegenteil, genauso wie ein ausgeschlossenes Eltern-Ich einen
unvollständigen Menschen macht, so hat ein ausgeschlossenes
Erwachsenen-Ich die gleiche tötliche Wirkung bei Menschen. Menschen werden
auch einwenden: "Ich bin ein Erwachsener und ich habe Emotionen!" und sie haben
recht. Ein voll entwickelter oder erwachsener Mensch zu sein ist nicht dasselbe
wie im Erwachsenen-Ich-Zustand zu sein. Sowohl kleine Kinder können in
ihrem Erwachsenen-Ich sein als auch gut ausgeglichene erwachsene Menschen
brauchen immer ihr Eltern- und Kind-Ich.
Das Erwachsenen-Ich verarbeitet alle ihm gegebenen
Tatsachen. Wenn die Tatsachen auf dem neuesten Stand sind, sind die
Erwachsenen-Ich Antworten zeitlich angebracht und wirkungsvoller als die
Eltern-Ich Lösungen. Wenn die Tatsachen aber nicht korrekt sind, wird der
Erwachsenen-Ich Computer auch fehlerhafte Antworten hervorbringen. Eine ganz
wichtige Funktion des Erwachsenen-Ichs ist es, Folgen voraussagen sowie eine
auf Tatsachen beruhende Kritik bezüglich der Wirksamkeit des menschlichen
Verhaltens im Verfolgen seiner gewählten Ziele geben zu können. Diese
auf Tatsachen basierende, kritische Funktion unterscheidet sich von der auf
Wert basierenden Funktion des kritischen Eltern-Ichs.
Manchmal braucht das Erwachsenen-Ich Informationen, welche
ihren Ursprung im Kind-Ich oder im Eltern-Ich haben und welche falsch sein
können. Das wird Trübung genannt. Wenn eine Trübung aus dem
Eltern-Ich kommt, nennt man das ein Vorurteil. Zum Beispiel, wenn jemand
annimmt, dass Frauen es vorziehen, der Führung des Mannes zu folgen
anstatt eigene Entscheide zu treffen, sind das Angaben, die aus dem Eltern-Ich
ins Erwachsenen-Ich kommen. Es ist eine Trübung, weil es als eine Tatsache
akzeptiert wird ohne es mit der Wirklichkeit zu prüfen.
Die gleiche ungeprüfte Annahme von Informationen kann
mit aus dem Kind-Ich gefütterten Informationen vorkommen, was in diesem
Fall Wunschdenken genannt wird. Das Wunschdenken basiert normalerweise auf der
Angst oder Hoffnung des Kind-Ichs, was wiederum vom Erwachsenen-Ich als
Wirklichkeit akzeptiert wird. Zum Beispiel, wenn ein Mensch überzeugt ist,
dass er von der Regierung vergiftet wird, so liegen dem wahrscheinlich die
Aengste des Kind-Ichs, was vom Erwachsenen-Ich akzeptiert wird, zu Grunde und
nicht Tatsachen. Eine äusserst wichtige Arbeitsweise in der
Transaktionsanalyse ist die Enttrübung des Erwachsenen-Ichs.
DIE STIMMEN IM KOPF. Wie Sie sich erinnern
können, ist der Eltern-Ich-Zustand wie ein Tonband-Aufnahmegerät voll
mit vorbeurteilten, voreingenommenen und vorprogrammierten Aussagen. Diese
"aufgenommenen" Aussagen können aktiviert werden während wir in
unserem Erwachsenen-Ich oder Kind-Ich sind und wir können sie
tatsächlich als "Stimmen in unserem Kopf" hören. Die "elterlichen"
Tonbänder können sich gut oder schlecht anhören, je nachdem
welches Eltern-Ich sie machen. In anderen Persönlichkeitstheorien sind die
schädlichen kritischen "Eltern"-Stimmen als strenges Ueber-Ich, negatives
Selbstgespräch, Erkenntnisfallen, schlechte Selbstachtung, bestrafender
Beschützer oder katastrophale Erwartungen bekannt.
Das kritische Eltern-Ich kann herabsetzende Aussagen wie "Du
bist schlecht, dumm, hässlich, verrückt oder krank; kurz du bist
verdammt, nicht OK" machen. Das fürsorgliche Eltern-Ich liebt das Kind-Ich
bedingungslos und sagt Dinge wie: "Ich liebe dich", "Du bist ein Gewinner", "Du
bist gescheit", "Du bist eine Prinzessin" oder " Du bist schön".
Manchmal wird das Kind-Ich vom kritischen Eltern-Ich
kontrolliert, indem es verhindert, dass sich das Kind-Ich gut über sich
selbst fühlt. Wenn das Kind-Ich geliebt werden will, sagt das kritische
Eltern-Ich "Du verdienst das nicht". Wenn das Kind-Ich sich über einen
sich nicht lohnenden Auftrag ärgert, kann das kritische Eltern-Ich sagen:
" Das ist das beste, was du machen kannst, weil du faul bist." Wenn das
Kind-Ich mit einer neuen Idee kommt, die gegen alle alten Ansichten geht,
könnte das kritische Eltern-Ich antworten: "Du musst verrückt sein,
sowas zu denken". Das kritische Eltern-Ich kann Menschen dazu führen, dass
sie sich nicht OK fühlen und sie dazu zwingen, Dinge zu machen, die sie
nicht machen wollen. Um dieser Art von kritischem Eltern-Ich zu begegnen,
können Menschen lernen, ihr fürsorgliches Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich
und freies Kind-Ich zu entwickeln.
Mit der Hilfe eines Egogramms können wir zu jeder Zeit
die entsprechende Stärke der Ich-Zustände eines Menschen zeigen. Das
ist sehr nützlich für die graphische Darstellung der
Veränderung, die Menschen über eine Zeit machen, besonders wie sie
ihr kritisches Eltern-Ich verkleinern und ihr fürsorgliches Eltern-Ich
oder Kind-Ich vergrössern.
TRANSAKTIONEN; PARALLELE (KOMPLEMENTAERE), GEKREUZTE UND
VERDECKTE. Transaktionen kommen vor, wenn ein Mensch mit einem anderen
Mensch in Beziehung tritt. Jede Transaktion besteht aus einem Stimulus und
einer Reaktion und Transaktionen können aus dem Eltern-, Erwachsenen- oder
Kind-Ich von einem Menschen zum Eltern-, Erwachsenen- oder Kind-Ich eines
anderen Menschen gelangen.
Parallele (komplementäre) und gekreuzte Transaktionen.
Bei einer parallelen Transaktion sind bei jedem Menschen nur ein Ich-Zustand im
Spiel. Bei einer gekreuzten Transaktion wird die Reaktion der Transaktion an
einen anderen Ich-Zustand abgegeben als an denjenigen, aus welchem der Stimulus
ursprünglich kam.
Die Kommunikation (Verständigung) zwischen zwei
Menschen kann so lange fortgesetzt werden, wie die Transaktionen parallel
(komplementär) verlaufen: Gekreuzte Transaktionen sind wichtig, weil sie
die Verständigung unterbrechen. Das ist nützlich zu wissen, weil es
den Transaktionsanalytikern verstehen hilft, wie und warum die
Verständigung unterbrochen wird. Die Regel lautet: "Wann immer die
Unterbrechung einer Verständigung entsteht, ist es eine gekreuzte
Transaktion, die das verursacht hat". Eine besonders wichtige Art von
gekreuzter Transaktion ist die abwertende Transaktion. Da missachtet ein Mensch
in seiner Antwort gänzlich den Inhalt des Stimulus einer Transaktion.
Abwertungen sind nicht immer offensichtlich aber immer unterbrechend beim
Menschen, der sie erhält und wenn wiederholt, kann das den Empfänger
schwer verwirren. Verdeckte Transaktionen. Verdeckte Transaktionen kommen vor,
wenn Menschen etwas sagen und etwas anderes meinen. Verdeckte Transaktionen
sind die Grundlage zu Spielen und sind vor allem interessant, weil sie
trügerisch sind. Sie haben eine soziale (offene) und eine psychologische
(verdeckte) Ebene.
Es ist wichtig, den Unterschied zwischen der sozialen und
verdeckten Ebene zu wissen, um zu verstehen und vorauszusagen, was Menschen tun
werden. Die verdeckte Ebene wird dazu mehr Informationen geben als die offene
Ebene.
Ein wichtiger Grund, warum wir eine Sache sagen und eine
andere meinen ist der, dass wir uns gewöhnlich für die Wünsche
und Gefühle unseres Kind- oder Eltern-Ichs schämen. Nichtsdestotrotz
benehmen wir uns gemäss diesen Wünschen und äussern diese
Gefühle während wir vorgeben, es anders zu machen. Zum Beispiel
brauchen wir einen lächelnden Sarkasmus anstatt einen direkten Ausdruck
unseres Aergers, oder wenn wir uns fürchten, gehen wir zum Gegenangriff
über anstatt unsere Angst zuzugeben.
Wenn wir Aufmerksamkeit oder Liebe wollen, so täuschen
wir oft Gleichgültigkeit vor und wir haben Mühe, sie zu geben oder zu
nehmen. In Wahrheit ist unser Leben so in Halbwahrheit und Betrug eingetaucht,
dass es passieren kann, dass wir nicht mehr länger wissen, was unser
Kind-Ich wirklich will. Wir erwarten auch nicht, dass Menschen gänzlich
ehrlich zu uns sind, so dass wir nie wirklich wissen, ob wir dem trauen
können, was sie sagen. Transaktionsanalytiker ermutigen Menschen in Bezug
auf ihre Wünsche und Gefühle ehrlich miteinander und zu sich selber
anstatt unehrlich und verdeckt zu sein. Mit dieser Art und Weise können
Menschen herausfinden, was sie wollen, wie danach fragen und wenn möglich,
wie es zu bekommen.
STROKES (ZUWENDUNG, STREICHELEINHEITEN). Zuwendung
(Stroking) ist die Anerkennung, die ein Mensch einem anderen zukommen
lässt. Zuwendungen (Strokes, Streicheleinheiten) sind lebensnotwendig
für das Leben eines Menschen. Ohne das, sagte Berne, "wird die
Wirbelsäule verkümmern". Es wurde gezeigt, dass ein kleines Kind
tatsächlich physische Zuwendung braucht, um am Leben zu bleiben.
Erwachsene können mit weniger physischer Zuwendung auskommen, da sie
lernten verbale Zuwendung auszutauschen; positive Zuwendung wie Lob oder
Ausdruck von Wertschätzung oder negative Zuwendung wie negative
Beurteilung oder Heruntermachen. Somit ist der Austausch von Zuwendung eines
der wichtigsten Dinge, das Menschen während ihres täglichen Lebens
machen.
SPIELE. Der wesentliche Aspekt von Spielen ist, dass
sie aus unehrlichem oder verdecktem Austausch von Zuwendung bestehen. Ein Spiel
ist eine sich wiederholende Reihenfolge von verdeckten Transaktionen mit einem
Anfang, einer Mitte und einem Ende und einem Spielgewinn. Der Spielgewinn ist
ein versteckter Vorteil, was die Spieler motiviert, mitzumachen.
In den 1960 wurde die Transaktions-Analyse USA-weit eine
Modeerscheinung, ausgelöst durch den Verkaufserfolg von Eric Bernes Buch
"Spiele der Erwachsenen" (Games People Play). In diesem Buch teilte er
verschiedenen Spielen feste Namen ("Jetzt habe ich Dich", "Tritt mich!" "Ich
wollte nur helfen") zu. Zum Beispiel, wenn Jane "Ja, aber..." spielt, fragt sie
jemand anderen um Rat, um dann jeden Vorschlag zurückzuweisen, bis alle am
Ende sehr aufgebracht sind. Dies ist die Art von Unterhaltung, die sich vor
allem in Therapiegruppen immer und immer wieder so abspielt. Es ist
hinterlistig und verdeckt; auf der sozialen Ebene erscheint es als eine
Unterhaltung zwischen einem Menschen im Erwachsenen-Ich-Zustand, der eine Frage
an einen oder mehrere Menschen stellt, die auch in ihrem
Erwachsenen-Ich-Zustand sind. Was es zum Spiel macht, ist die Tatsache, dass
keiner der Vorschläge wirklich angenommen wird. Der Grund dafür ist
das, was auf der psychologischen und der viel bedeutungsvolleren Ebene vor sich
geht nämlich, dass Jane Rat brauchen würde, aber noch viel mehr
eigentlich Zuwendung möchte. Weil diese Zuwendung aber auf einem Umweg
gegeben wird, ist sie nicht so befriedigend, wie wenn sie direkt gegeben
würde. Darum endet das Spiel mit einem Unterton von deprimierender
Frustration.
SPIELGEWINNE (NUTZEN, ENDAUSZAHLUNG). Es gibt eine
Vielzahl von Nutzen aus Spielen: jedes Spiel zahlt sich auf drei verschiedenen
Ebenen aus: 1. Der biologische Spielgewinn eines Spieles ist Zuwendung. Auch
wenn Spiele schlecht enden, so erhalten doch alle Spieler durch das Mitmachen
eine ansehnliche Anzahl von Zuwendung - beides positive und negative. 2. Der
soziale Spielgewinn eines Spieles ist die Zeitstrukturierung. Menschen sind in
der Lage, Zeit mit einer aufregenden Tätigkeit zu füllen, die sonst
vielleicht flau und deprimierend hätte sein können. 3. Der
existentielle Spielgewinn eines Spieles ist die Art, wie ein Spiel die
Grundeinstellung jedes Spielers bestätigt.
DIE GRUNDEINSTELLUNG. Im Verlauf der Entwicklung
einer Identität bestimmen Menschen früh im Leben für sich, was
der Sinn ihres Lebens oder ihrer Existenz ist. Einige Menschen entscheiden,
dass sie OK sind und werden dann ein gutes Leben haben; aber viele andere
entscheiden, dass sie nicht OK sind und werden dann in einigen Dingen versagen.
Diese Erwartung auf Grund einer Entscheidung wie ihr Leben sein wird, ist ihre
Grundeinstellung. Menschen können sich OK oder nicht OK über sich und
andere fühlen, so dass es hauptsächlich vier Grundeinstellungen gibt:
"Ich bin OK, du bist OK", "Ich bin OK, du bist nicht OK", "Ich bin nicht OK, du
bist OK" und schliesslich "Ich bin nicht OK, du bist nicht OK".
Zum Beispiel im Spiel "Ja, aber ..." ist die
Grundeinstellung von Jane, dass "nie etwas gelöst wird" und somit jedes
Mal, wenn dieses Spiel gespielt wird, verstärkt es diese Einstellung und
rechtfertigt weitere Depressionen.
Spiele werden immer mit Verantwortung und Interesse von
allen, die damit einbezogen sind, gespielt. Um ihre Grundeinstellung
beibehalten zu können, wird Jane immer Menschen finden, die das Spiel mit
ihr spielen. Die Rollen jeder Spieler im Spiel sind gleich wichtig und alle
leiten davon einen Spielgewinn für sich ab. Wenn sie am Spiel teilnehmen,
glauben sie auch, dass es mit einem Misserfolg enden wird. Sie wollen auch
Zuwendung, sind aber nicht überrascht, wenn Jane alle Ratschläge
zurückweist und als Folge jederman deprimiert oder ärgerlich ist, was
beweist, dass man Menschen eigentlich nicht helfen kann oder dass Menschen sich
nicht helfen lassen wollen und somit ihre schlechten Gefühle
gerechtfertigt sind.
DER ZUWENDUNGSHAUSHALT (STROKE ECONOMY). Einer der
schädlichen Aspekte des kritschen Eltern-Ichs ist, dass es eine Reihe von
Regeln hat, die das Nehmen und Geben von Zuwendung regelt (Gib keine Zuwendung,
bitte nicht um Zuwendung, nimm keine Zuwendung an, lehne keine Zuwendung ab,
gib dir selbst keine Zuwendung). Die Auswirkung dieser Regeln, der sogenannte
Zuwendungshaushalt (Stroke Economy) ist, dass es Menschen daran hindert,
einander uneingeschränkt Zuwendung zu schenken und sich um ihre eigenen
Zuwendungsbedürfnisse zu sorgen. Als Folge davon leben die meisten
Menschen in einem Zustand von Zuwendungshunger, in welchem sie an einer
Mangeldiät von Zuwendung überleben - in einer ähnlichen Weise
wie Menschen, die nach Nahrung hungern - und einen grossen Teil ihrer Zeit und
Mühe darauf verwenden, zu versuchen ihren Hunger zu stillen. Positive
Zuwendung, manchmal auch "warme Kuschelis" (warm fuzzies) genannt, wie
Hände halten oder "Ich liebe dich" sagen, gibt dem Menschen, der diese
erhält das Gefühl OK zu sein. Es gibt auch negative Zuwendung, die
eine schmerzliche Form von Anerkennung ist wie Sarkasmus, Abwertungen, eine
Ohrfeige, eine Beleidigung oder die Aussage "Ich hasse dich". Negative
Zuwendung bewirkt beim Menschen, der dies erhält, dass er sich nicht OK
fühlt. Doch obwohl unangenehm ist negative Zuwendung eine Art der
Anerkennung und verhindert, dass "die Wirbelsäule zusammenschrumpft". Aus
diesem Grund ziehen Menschen solche Situationen jenen vor, wo es negative
Zuwendung gibt als wo sie gar keine Zuwendung erhalten. Das erklärt, warum
es Menschen gibt, die sich in ihren Beziehungen zu anderen scheinbar
vorsätzlich selbst verletzen. Es ist nicht, weil "sie Freude daran haben
sich selbst zu verletzen" sondern weil sie keine positive Zuwendung bekommen
können und darum schmerzhafte negative Zuwendung wählen als gar keine
zu erhalten.
Menschen können lernen, Zuwendung ungehindert
auszutauschen, die Herzen zu öffnen, Zuwendung zu geben und ohne Scham und
Verlegenheit danach zu fragen. Verschiedene Zuwendung sprechen verschiedene
Menschen an und jeder hat seine besonderen geheimen Wünsche. Es gibt viele
verschiedene Arten von positiver Zuwendung - es gibt körperliche
(physische) und gesprochene (verbale) Zuwendung. Physische Zuwendung
können Umarmungen, Küsse, Festhalten, Streicheln (starke, leichte,
sexy, sinnliche oder einfach freundschaftliche, fürsorgliche oder leichtes
Kitzeln, usw.) sein. Verbale Zuwendung kann über das Aussehen von Menschen
- ihr Gesicht, Körper, Körperhaltung oder Bewegungen - oder über
die Persönlichkeit - ihre Intelligenz, liebenswerte Natur, Feingefühl
oder Mut gegeben werden. Auf jeden Fall brauchen und verdienen Menschen
Zuwendung und wenn sie danach fragen, werden sie gewöhnlich jemand finden,
der genau diese Zuwendung hat und auch bereit ist, diese zu geben.
RITUALE, ZEITVERTREIB, SPIELE, INTIMITAET, ARBEIT. Es
gibt fünf Wege wie Menschen ihre Zeit strukturieren können, um
Zuwendung zu erhalten: 1. Ein Ritual ist ein festgelegter Austausch von
Anerkennungs-Zuwendung. 2. Der Zeitvertreib ist eine festgelegte,
unverbindliche Unterhaltung über gewisse Dinge. Zeitvertreib ist am
offensichtlichsten an Cocktail-Partys und Familienzusammenkünfte. Einige
alltägliche Zeitvertreibe sind: Wetter ("Warm genug für dich?"),
Vereinsveranstaltung (jeder bringt etwas zum essen oder es wird von ausserhalb
bestellt), Sport (was ist mit unserem Fussballclub?), Drogen (soll Marihuana
legalisiert werden?) oder Wer scheidet sich von wem? (Scheidungskarussell). 3.
Spiele sind eine sich wiederholende, nicht offensichtliche Reihenfolge von
Transaktionen zum Zweck, Zuwendung zu erhalten. Leider ist die Zuwendung, die
aus Spielen stammt meistens negativ. Ein Spiel ist eine fehlgeschlagene Methode
um gewünschte Zuwendung zu erhalten. 4. Intimität ist ein direkter
und mächtiger Austausch von Zuwendung, nach dem Menschen sich sehnen aber
selten erreichen, weil das Kind-Ich aus schmerzlicher Erfahrung ängstlich
davon zurückweicht. Intimität ist nicht das gleiche wie Sex, obwohl
es oft in Sex vorkommt. Sex, jedoch, kann auch ein Ritual, Zeitvertreib, Spiel
oder Arbeit sein. 5. Arbeit ist eine Tätigkeit, die als Resultat ein
Produkt hat. Gute Arbeit hat als Nebeneffekt zur Folge, dass es zu einem
Austausch von Zuwendung kommt.
Intimität und Arbeit sind die am befriedigsten Arten um
Zuwendung zu erhalten. Leider ist es schwierig, andauernde Intimität zu
erreichen, weil die Menschen emotional oft unwissend sind, und die Arbeit ist
oft unbefriedigend, wenn Menschen diese von anderen isoliert verrichten
müssen und für deren Ausführung kein Lob erhalten. Darum
müssen Menschen Zuflucht zu Ritualen, Spiele oder Zeitvertreib nehmen, die
sicherere dafür aber viel weniger befriedigende Wege sind, um Zuwendung zu
erlangen. Zum Beispiel kann eine Ehe eine endlose und langweilige Folge von
Ritualen, Zeitvertreib und Spielen sein. Häufig ist das so, weil beide
Partner auf der Grundlage eines zuwendungsberaubenden Skript leben, welches
Männer davon abhält, emotional und innig zu sein und Frauen daran
hindert, ihr Erwachsenen-Ich zu gebrauchen, um nach der Liebe, die sie
wünschen, zu fragen und sie zu erhalten.
SCHWEREGRAD. Spiele können in einer Reihe von
Schweregrade gespielt werden. Zum Beispiel beim obigen Spiel "Ja, aber..." ist
es die schwächste Fassung (erster Grad) vom Spiel, weil es
verhältnismässig harmlos ist. Die schwerste Fassung (dritter Grad)
dieses Spieles könnte von einem Alkoholiker gespielt werden, der bis zu
seinem Sterbemoment allen Vorschlägen seines Retters ein "Ja, aber..."
entgegensetzt. Der dritte Grad beinhaltet körperliche Verletzungen an sich
selbst oder an anderen.
ROLLEN. Verschiedene Menschen spielen verschiedene
Rollen in den Spielen, bei denen sie mitmachen. Wenn ein Mensch bereit ist,
eine der Rollen eines Spieles zu spielen, dann wird er sich oft auch dabei
ertappen, dass er auch die anderen Rollen des Spieles spielt. Es gibt eine
Vielzahl von Rollen aber die drei Grundrollen eines Spieles sind Verfolger,
Retter und Opfer. Ganze Familien, Ehen, Arbeitsplätze, Schulen und
Freundschaften beruhen oft auf diesen Rollen. Die drei Rollen können in
einem Dreieck angeordnet werden um darzustellen, was vor sich geht:
DAS DRAMADREIECK. Das Dramadreieck kann mit dem
"Suchtspiel" dargestellt werden. Im Suchtspiel spielt der Abhängige die
Rolle des Opfers von Sucht, Demütigung, Vorurteil, medizinische
Vernachlässigung, ja sogar Polizeibrutalität, der einen Retter sucht
und findet. Der Retter spielt die Rolle mit dem Versuch, dem Süchtigen
grosszügig und selbstlos zu helfen ohne sicherzustellen, dass der
Süchtige auch in den Prozess investiert, die Sucht aufzugeben. Nach einer
gewissen Zeit mit frustrierenden Fehlschlägen wird der Retter
ärgerlich und macht einen Wechsel in die Verfolgerrolle, indem er den
Süchtigen anklagt, beleidigt, vernachlässigt und bestraft. An dieser
Stelle wechselt der Süchtige vom Opfer zum Verfolger, indem er einen
Gegenangriff startet, beleidigt, gewalttätig wird oder
mitternächtliche Notfälle schafft. Der erstmalige Retter ist nun das
Opfer im Spiel. Dieser Ablauf des Wechselns dreht sich endlos im
Dramadreieck-Karussell herum. Um das Dramadreieck in der Psychotherapie zu
verhindern, beharrt der Transaktionsanalytiker darauf einen Vertrag zu machen,
in welchem der Klient genau sagt, von was er/sie geheilt werden will. Das
schützt beide den Klienten und den Therapeuten: der Therapeut weiss genau,
was der Klient will, und der Klient weiss an was der Therapeut arbeiten wird
und wann die Therapie zu Ende sein wird. Auf jeden Fall ist der beste Weg, um
das Dramadreieck zu vermeiden, die Rollen des Retters, Verfolgers und Opfers zu
meiden, indem man im Erwachsenen-Ich-Zustand bleibt.
SKRIPTS (LEBENSPLAN). Transaktionsanalytiker glauben,
dass die meisten Menschen grundsätzlich OK sind und nur deshalb in
Schwierigkeiten geraten, weil ihre Eltern (oder andere Erwachsene und
einflussreiche junge Leute) sie mächtigen Einschärfungen und
Zuschreibungen mit schädlichen Langzeitwirkung ausgesetzt haben.
Menschen kommen schon früh in ihrem Leben zum Schluss,
dass sich ihr Leben in einer vorhersehbaren Weise entfaltet: kurz, lang,
gesund, ungesund, glücklich, unglücklich, deprimiert oder
wütend, erfolgreich oder erfolglos, aktiv oder passiv. Wenn die
Schlussfolgerung ist, dass das Leben schlecht und selbstschädigend ist, so
wird das als Lebensplan (Skript) gesehen.
Die Skriptmatrix ist eine Darstellung, die gebraucht wird,
um die Skripts der Menschen zu klären. Darin können wir zwei Eltern
und ihre Nachkommen sehen und wir können die transaktionellen Mitteilungen
darstellen - Einschärfungen und Zuschreibungen - die dazu geführt
haben, dass der junge Mensch seine ursprüngliche OK Einstellung aufgegeben
und diese mit einer selbstschädigenden nicht OK Einstellung ersetzt
hat.
Wenn das Leben von einem Skript bestimmt wird, gibt es immer
wieder Abschnitte, wo es scheint, dass der Mensch seinem oder ihrem
unglücklichen Schicksal entrinnen kann. Diese scheinbar normalen
Zeitabschnitte des Skripts werden Gegenskript genannt. Das Gegenskript ist
aktiv, wenn das unglückliche Skript des Menschen einem glücklicheren
Zeitabschnitt Platz macht. Das ist aber nur vorübergehend und wird
unverändert zusammenfallen, um dem ursprünglichen Skript Platz zu
machen. Für einen Alkoholiker kann dass eine Zeit von Nüchternheit
sein; für einen depressiven Menschen mit einem Selbstmordskript
könnte es eine kurze Zeit von Glück sein, welche unausweichlich
aufhört wenn die Skripteinschärfungen übernehmen.
In der Skriptmatrix von Josef, einem Drogensüchtigen,
sehen wir, dass die Skripteinschärfung "Denke nicht, trinke anstatt" vom
Kind-Ich des Vaters kommt und an Josefs Kind-Ich geht. Diese kraftvolle
Mitteilung beeinflusst Josefs Leben dramatisch, wenn er der Einschärfung
seines Vaters Folge leistet und zwar mit Drogen anstatt Alkohol und ihn zu
wiederholten Episoden von Drogenmissbrauch in seinem jungen Leben und
Erwachsenenleben veranlassen. Die Gegenskript-Mitteilung "Du sollst nicht im
Uebermass trinken", welche vom Eltern-Ich der Mutter und des Vaters kommt und
an das Eltern-Ich von Josef geht, spornt ihn an, wiederholte aber wirkungslose
Anstrengungen zu unternehmen, um den Drogenmissbrauch herabzusetzen.
Die Skript-Mitteilung "Denke nicht, trinke dafür"
überliefert von Kind-Ich zu Kind-Ich ist viel einflussreicher als die
Gegenskript-Mitteilung "nicht im Uebermass zu trinken" von Eltern-Ich zu
Eltern-Ich: das ist der Grund, warum die Skript-Mitteilung gewöhnlich
Ueberhand behält, ausser wenn ein Mensch sein oder ihr Skript
verändert. Wenn die Skripts nicht verändert werden, werden sie von
einer Generation an die andere wie eine "heisse Kartoffel" von Erwachsenen zu
Kindern weitergereicht in einer ununterbrochenen Kette von schlecht
anpassungsfähigen, destruktive Verhaltensweisen.
ENTSCHEIDE. In einem gesunden Heim geben Eltern ihren
Kindern unbedingten Schutz ganz gleich was sie machen. Wenn Eltern aber ihren
Schutz an die Bedingung knüpfen, dass Kinder sich deren
Einschärfungen und Zuschreibungen unterwerfen, so ist es wahrscheinlich,
dass die Kinder ein Skript entwickeln. Skript-Entscheide werden oft bewusst
gemacht, um den elterlichen Einschärfungen zu genügen, selbst wenn
sie gegen das beste Selbstinteresse des Kindes gehen. An dieser Stelle tauscht
der junge Mensch seine Autonomie gegen den elterlichen Schutz ein, um
Bestrafung und Kritik zu entgehen. Der darin einbezogene Entscheid ist ein
Wechsel von einer "ich bin OK" Einstellung zu einer "ich bin nicht OK"
Einstellung. Oft beinhaltet es auch einen Entscheid, ob andere Menschen OK
sind. Wenn Menschen solche Entscheide treffen, brauchen sie unter
Umständen die Hilfe eines Therapeuten, um das Skript los zu werden und um
anfangen zu können, einen autonomen Lebensverlauf zu verfolgen oder wie
Berne es sagen würde: "Brecht die Vorstellung ab und bringt eine neue auf
Tournee".
Während dem Einzelnen geholfen wird zu früheren
Erfahrungen zurückzugehen, die ihn dannzumal bewegt haben, Entscheide zu
treffen, die nötig für sein physisches und psychisches Ueberleben
waren und die ihm heute nun im Wege stehen, kann er Neuentscheidungen
fällen, um sein Verhalten zu ändern, damit er ein erfüllteres
Leben in der Gegenwart erreichen kann.
Es ist möglich, das Skript eines Menschen in kurzen
Verhaltensabschnitten zu beobachten, sogenannte Miniskripts, die ständig
das Skript nachmachen und untermauern. Tatsache ist, dass alles was im
geistigen und emotionalen Leben der Menschen vor sich geht, in ihrem Verhalten
widerspiegelt wird. Darum sind Transaktionsanalytiker durch das Studium der
Transaktionen fähig, die Art und Weise sowie die Gründe des
Verhaltens der Menschen zu verstehen und können ihnen so helfen,
aufzuhören Spiele zu spielen, Skripts zu ändern und das meiste aus
ihrem Leben herauszuholen.
TRAGISCHE UND BANALE SKRIPTS. Einige Skripts sind
tragisch und einige sind banal. Tragische Skripts sind hoch dramatisch wie
solche von Drogenmissbrauch, Selbstmord oder "psychische Krankheit". Banale
oder alltägliche Skripts sind weniger dramatisch aber um so häufiger.
Sie sind die Melodramen unseres Alltagslebens. Gewöhnlich beeinflussen sie
große Untergruppen von Menschen wie Männer, Frauen, ethnische
Gruppen oder Jugendliche. Menschen in diesen Untergruppen sind programmiert
durch das Skript, ihre Leben nach einer gewissen schon bestimmten Art zu leben:
in der Vergangenheit waren Frauen dazu ausersehen emotional liebende Hausfrauen
zu sein und hatten keine Erlaubnis, logisch, stark oder unabhängig zu
sein; Männer dagegen mussten logisch, stark, Geldverdiener sein ohne
Erlaubnis auch kindhaft, ängstlich, Fürsorge brauchend oder offen
liebend zu sein. Der Lebensverlauf eines banalen Skripts könnte sein: von
schlecht zu noch schlechter gehen, nie Spass haben, immer in Schulden sein oder
immer für andere sorgen und sich selbst vernachlässigen.
Mitglieder von bestimmten Nationalitäten oder Rassen
müssen gescheit oder dumm oder ehrlich oder hinterlistig oder gute
Athleten oder rücksichtslos oder kalt oder usw. sein. Einige Kulturen
programmieren ihre Kinder um konkurrenzfähig zu sein, so dass sie
Mühe haben, mit anderen zu leben und zusammenzuarbeiten. Andere Kulturen
legen den Schwerpunkt auf Zusammenarbeit und verursachen so, dass sich starke
Menschen nicht OK fühlen. Diese kulturellen Skripts können ganze
Bevölkerungen in einer schädigenden Art beeinträchtigen.
LIEBLINGSGEFUEHLE (RACKETS). Ein Aspekt der Skripts
ist der existentielle Spielgewinn aus Spielen, was schlechte Gefühle sein
können, die angesammelt werden und schliesslich explodieren und zu einer
emotionalen Katastrophe führen können. Der existentielle Spielgewinn
aus jedem Spiel sammelt sich an, um schliesslich ein vorhergesagtes
Skript-Ergebnis zu verursachen. Einige Menschen sammeln Wut, die schlussendlich
eine Scheidung rechtfertigen. Andere sammeln depressive Gefühle in
Hinblick auf einen Selbstmord. Der Umstand, dass sie Situationen erzeugen,
welche die negativen Gefühle ihres gewählten Skripts produzieren,
wird ihr emotionales Lieblingsgefühl genannt.
ERLAUBNIS (PERMISSION), ERMUTIGENDER RUECKHALT
(PROTECTION), UEBERZEUGUNGSKRAFT DURCH AUTORITAET (POTENCY). Erlaubnis
(permission) ist ein sehr wichtiger Teil der Transaktionsanalyse. Es ist eine
Situation, in welcher der Unterrichtende oder Therapeut sagt: "Du kannst
machen, was deine Eltern oder andere Menschen sagen, es sei falsch" oder "Du
musst nicht weiter das machen, was du als Kind entschieden hast zu machen". Zum
Beispiel wenn einem Menschen, der sehr scheu ist, gesagt wurde "Frage nicht
nach etwas", könnte nun eine Erlaubnis sein, dass er nach dem fragt, was
er will oder braucht. "Frage nach Zuwendung, du verdienst sie". Wenn ein Mensch
die Erlaubnis annimmt und sich gegen die elterlichen und gesellschaftlichen
Erwartungen und Wünsche widersetzt, ist sein Kind-Ich dazu geneigt, sehr
ängstlich zu werden. Darum ist ermutigender Rückhalt (protection) ein
sehr wichtiger Teil von Veränderung. Ermutigender Rückhalt wird vom
Lehrer oder Therapeut vorzugsweise mit der Unterstützung einer Gruppe an
einen Menschen gegeben oder angeboten, der bereit ist, seinen oder ihren
Lebensplan zu verändern. Der Therapeut und die Gruppe bieten einem
Menschen ermutigender Rückhalt an, wenn sie sagen: "Sorge dich nicht,
alles wird gut werden. Wir stützen dich und werden uns deiner annehmen,
wenn du Angst bekommst." Erlaubnis und ermutigender Rückhalt steigern die
Ueberzeugungskraft durch Autorität (potency) eines
Transaktionsanalytikers, indem er das fürsorgliche Eltern-Ich in die
Situation einbringt. Der Gebrauch des Eltern- und Kind-Ichs (wenn es
während der Therapie lustig wird) des Therapeuten macht den
Transaktionsanalytiker wirkungsvoller als den Berufskollegen, der nur einen
Drittel seiner Personalität gebraucht und mit den Klienten nur in seinem
oder ihrem Erwachsenen-Ich verkehrt.
VERTRAEGE. TA-Therapeuten arbeiten vertragsgebunden,
das heisst Abmachungen mit dem Klienten treffen, welche bestimmte Ziele er
erreichen möchte. Typische Verträge sind "über Depressionen
hinwegkommen" oder "meine Kopfschmerzen los werden" oder "aufhören Alkohol
zu missbrauchen" oder "einen anständigen Lebensunterhalt verdienen
können" oder "bessere Noten machen". Während vieles in einer
Psychotherapie passieren kann, der Langzeitvertrag ist immer "zu oberst" als
das führende Ziel eines Transaktionsanalytikers. Zusätzlich werden
Transaktionsanalytiker kurzfristige Verträge für Hausaufgaben oder
für Nüchternheit (trocken bleiben) oder für "keinen Selbstmord"
machen, um dem Klienten zu helfen, das Hauptziel des Vertrages zu
erreichen.
Da Menschen OK geboren werden, liegt es auf der Hand, dass
sie mit kompetenter Hilfe zu ihrer urspünglichen OK Grundeinstellung
zurückkehren können. Die Fähigkeit, um OK zu sein, ist in jedem
Menschen und wartet darauf, von den Verboten des Skripts befreit zu werden.
Transaktionsanalytiker wissen, dass durch das Abschliessen von klaren,
zielorientierten therapeutischen Verträgen, durch das wirkungsvolle
Analysieren der Transaktionen der Menschen, durch das kraftvolle Geben von
Erlaubnis zur Veränderung und durch den Schutz vor deren Angst, es
für jederman möglich ist, eine Gelegenheit zu haben, um
glücklich, liebend und schöpferisch zu werden.
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